aquamediale 12

 

Die zwölfte aquamediale findet vom 3. Juni bis 24. September 2017 statt – 500 Jahre nach Luthers Thesen zur Reformation der Kirche. Diese Reform wirkt bis heute auf alle Bereiche unseres Lebens: auf Ehe & Familie, Staat & Gesellschaft, Schule & Hochschule, Wirtschaft & Kunst, Wissenschaft, Musik, Literatur und Malerei.

Die „Zwölfte“ stellt den reformatorischen Prozess in der Gesellschaft dem evolutionären Prozess in der Natur gegenüber und zwingt zur Auseinandersetzung mit Formen und Inhalten die sowohl die Natur, als auch den Menschen als Teil der Natur betreffen.

Das Thema der zwölften aquamediale »Glaube Liebe Hoffnung« führt uns auf indirektem Wege zu Luther. Die drei Tugenden sind im Gegensatz zu den zehn Geboten keine Handlungsvorschriften, sondern eine nicht nur von Christen geforderte innere Einstellungen zur Welt. Sie werden von den vier Kardinalstugenden der antiken Philosophie ergänzt – Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung.

In unserer Welt des Marktes versuchen wir etwas zu genießen, was sich nicht genießen lässt: nämlich Kapital und Geld. Etwas, was wir nicht riechen, nicht essen und nicht einmal anfassen können, wird zum Erben Gottes erhoben. Da, wo Gott einst stand, taucht das Kapital auf und predigt die abstrakte Genusssucht als ein manifestiertes Verlangen nach ewigem Leben auf Kosten der realen Welt. Überzeugungen werden entwurzelt, Liebe wird vergiftet, Hoffnungen gerodet und der Emissionshandel lässt nicht ab. Zeit zur Reformation!

Zeit, das Verhältnis des Menschen zu sich selbst, zu seinem sozialen Umfeld und zur Natur wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen! Zeit, sich von den modernen Todsünden zu befreien und das Normale als das Besondere zu sehen! Zeit, die Deformationen in unserer Gesellschaft und in uns zu erkennen! Zeit für die Kunst!

Künstler sind keine Heiler. »Ein einzelner Mensch kann einer Zeit nicht helfen oder sie retten, er kann nur ausdrücken, dass sie untergeht.«

Diese Erkenntnis Kiekegards kann als ein Weckruf der Tugenden mit den Mitteln der Kunst verstanden werden: Objekte in der Natur des Spreewaldes werden den Glauben an eine Überzeugung, die Liebe zu einem Menschen und die Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft ermöglichen. Kraftvoll sagt es Luther im Hohen Lied Salomo: »... denn Liebe ist stark wie der Tod!« Das Thema fordert uns auf, uns neu zu sehen. Oben ist unten, nah ist fern. Neu Lernen als Voraussetzung zu neuem Tun.

Freuen Sie sich auf eine Begegnung mit der Kunst inmitten der Natur. Wir laden Sie ein, zu Lande und zu Wasser, die Thesen der 16 Künstlerinnen und Künstler zu entdecken, zu diskutieren, zu boykottieren, zu reformieren. Lassen Sie sich irritieren und inspirieren im Sinne Martin Luthers und der drei Tugenden: „… Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese Drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“

 

Harald Larisch | Kurator

 

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Kurator der aquamediale 12 ist der in Frankfurt (Oder) gebürtige Harald Larisch aus Grapen Stieten bei Wismar. Nach dem Studium an der Kunsthochschule Berlin Weißensee bei Professor Werner Klemke und einer künstlerischen Aspirantur, ist er als freischaffender Grafik-Designer u. a. in den Bereichen Produktdesign, Ausstellungsgestaltung sowie Corporate Design tätig. Neben unterschiedlichen Lehraufträgen an der Kunsthochschule Berlin war er als Dozent an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin und an der Grafik-Design-Schule Anklam tätig, an der er auch fünf Jahre als Leiter tätig war. In der Schulzeit machte Larisch einen Ausflug in den Spreewald: „Was ich bemerkte, war ein zwitschernder Wald inmitten verschlungener Kanäle und die Ruhe jenseits der Zivilisation. Ich war im Paradies.“ Rund 50 Jahre später, nach seiner beruflichen Odyssee durch die Welt, kam Harald Larisch zur Vorbereitung der aquamediale 12 an eben diesen Ort und hatte ein Déjà-vu: „Das in meinem Kindheitsgedächtnis gespeicherte Paradies hatte sich scheinbar nicht verändert, es begrüßen mich die Vögel, der Wald, das Wasser, die Ruhe und – Gurkenpaule.“ Harald Larisch