Carsten Busse

Carsten Busse

Carsten Busse ist 1965 in Leipzig geboren. Von 1991 bis 2004 war Busse Mitglied der Künstlergruppe solitaire factory. Er lebt und arbeitet in Leipzig.



Standort: Am Fuße der Feldsteinkirche in Zaue am Ufer des Schwielochsees.

 

Die Unterwasser-Installation „Das Leuchten“ wurde mit ca. 1000 Tischtennisbällen realisiert. In der fiktiven Draufsicht zeigt sie das Sternbild der Nördlichen Krone (Corona Borealis). Die Arbeit besteht aus sieben Kreisen mit einem Durchmesser von je einem Meter. Die Gesamtausdehnung der Installation beträgt im Durchmesser in etwa 15 Meter.

 

Bei der Corona Borealis handelt es sich um die Krone der Prinzessin Ariadne, Tochter des kretischen Königs Minos. In der griechischen Mythologie half sie Herkules mittels eines Fadens, dem Labyrinth des Minotaurus zu entkommen. Nach seiner Flucht führte er Ariadne nach Naxos, wo er sie jedoch im Stichließ und sich nicht mehr um sie kümmerte.  Auf Naxos traf Ariadne jedoch Bacchus. Dieser verliebte sich in sie und ließ ihre Krone ans Firmament empor schweben, um seine Liebe für immer am Himmel zu verewigen.

 

Bei Sonnenschein und günstigem Sonnenstand scheinen die Bälle unter der Wasseroberfläche zu leuchten. Spiegelt sich das Sonnenlicht auf dem See, bleibt die Arbeit unaufmerksamen Betrachtern unter Umständen gänzlich verborgen. Die Sichtbarkeit des Sternbildes ist ebenfalls abhängig vom Pegelstand des Sees (auch ein vereinzeltes „Auftauchen“ ist möglich), von der Klarheit des Wassers, von Wellen und Wolken, also von natürlichen Umständen einerseits und dem Wissen oder der Ahnung des Betrachters andererseits.  Entscheidend ist auch immer dessen Bereitschaft und Fähigkeit zur Imagination.

 

All dies trifft gleichermaßen auf das reale Sternbild am Himmel wie auf sein irdisches bzw. unterseeisches Pendant zu. Bei der Installation geht es aber nicht um die reine Wiedergabe eines Sternbildes. Gerade das zufällige Entdecken der seltsamen Unterwasser-Kreise am Ufer eines Sees, offensichtlich zweckfrei von Menschenhand geschaffen und scheinbar planlos angeordnet, zielen sie auf positive Verstörung ab. Zugleich poetisch und rätselhaft scheinen sie eine Botschaft in sich zu tragen, deren Entschlüsselung dem subjektiven Empfinden des Betrachters überlassen bleibt. Am Ufer des Schwielochsees in Zaue, an einer relativ wenig frequentierten Stelle, genügt sich das „Leuchten“ als ein mit der Natur interagierendes Kunstwerk selbst.

application/pdf Vita: CV_BusseCarsten.pdf (58,8 kB)