Kunstwerke

Anna Arnskötter - Treppenturm

Anna Arnskötter baut einen Turm aus Ton. Eine schmale Stehle streckt sich in die Höhe, Treppen wendeln hinein und immer weiter nach oben, bis sie sich in den Himmel schrauben. Am Ende des Weges ein Tor. Ein Ausweg oder ein Irrweg?
Die Skulptur reflektiert gesellschaftliches und individuelles Verhalten im blinden Bemühen nach Oben. Wege sind Umwege, Aufstiege sind Abstiege, In der Bibel bereitet Gott der Selbstüberhebung durch Sprachverwirrung ein Ende.
Bei Anna Arnskötter muss sich ein jeder selbst finden und selbst artikulieren, wohin er will. Den richtigen Weg finden heißt: gemeinsam suchen!

 

Anja Bogott - SpreewaldReigen – Weib Erinnerung Tanz

Ihre Installation »SpreewaldReigen – Weib Erinnerung Tanz« verpflichtet sich dem Grundsatz, dass der Mensch als  Teil der Natur den Auftrag hat, diese zu bewahren und zu schützen. Dazu gehört die Abkehr von verzerrten Spiegelbilder und Idealvorstellungen des Menschen selbst. Ihre Tonfiguren entfalten eine üppige Pracht der Natürlichkeit, die sich nicht durch die Vorgaben eines marktgesteuerten Ideals ins Korsett zwingen lässt. Diese »Weiber« zeigen eine neu entdeckte Freude an der Bewegung inmitten der Natur und befinden sich im Gleichgewicht mit sich und den leicht tanzenden Fahnen über ihren Köpfen.

 

Micha Brendel - Ideallandschaft mit gescheiterter Hoffnung

Der romantisierende Titel seiner Installation scheint das Thema der aquamediale 12 zu konterkarieren: »Ideallandschaft mit gescheiterter Hoffnung«. Die Wahrneh- mung für den Betrachter ist eindeutig:
Ein Mast ragt schräg aus dem Wasser, ein Segel weht zerfetzt im Wind, ein Kreuz steht schief. Der Glaube an neue Märkte – gescheitert. Die Hoffnung auf neue Geschäfte – gescheitert.
Das »Narrenschiff« – gesunken. Micha Brendels Symbolik des Scheiterns füllt die Schlagzeilen der täglichen Presse mit Arbeitslosigkeit, Armut, Angst. Doch in dieser abgrundtiefen Hoffnungslosigkeit drängt sich eine neue Wahrnehmung an die Oberfläche: die Landschaft. Verwundet zwar, aber nicht getötet, drängt sie den Betrachter, sein Verhältnis zur Natur maßvoll neu zu definieren.

 

Sebastian David - Unsere Fülle – unser Vergehen

Seine Intervention nennt Sebastian David »Unsere Fülle – unser Vergehen«. Auf einer Hand aus Eiche liegt ein Ei aus Ton. Den natürlichen Witterungsprozes- sen ausgesetzt wird der Betrachter über die Dauer der Exhibition die Metamorphosen der Entstehung des Lebens bis zum Vergehen erfahren. Ein Vorgang mit unerwarteten Überraschungen. Der Prozess, mit einer Kamera in Einzelbilder festgehalten, kann auch auf der Website verfolgt werden. Das Leben unterliegt den Gesetzen der Natur. Der Mensch ist Bestandteil dieses Kreislaufes und sollte sich seiner Rolle als Bestandteil des Universums immer wieder neu bewusst werden.

 

Albrecht Fersch - Gefüge

»Gefüge – Die Seele der DNS oder die DNS der Seele« nennt Albrecht Fersch seine »Verwandlung« eines Stückes Natur. In dem er die Spreewälder Landschaft in Plastik hüllt, fügt er unserer kindlichen Erfahrung vom Grauen des Waldes aus dem Märchen vom »Rotkäppchen« eine selbstverschuldete Steigerung hinzu. Die DNS (oder DNA) als Träger der Erbinformation scheint sich als genetischer Defekt unkontrolliert weiter zu reproduzieren und die Welt für sich zu beanspruchen. In solch einer Umgebung wird selbst der Wolf zum Verbündeten gegen die gemeinsame Schuld. Eine Installation mit bewusst inszeniertem Grusel-Effekt! Dazu die Entdecker der Doppelhelix: »Es ist unserer Aufmerksamkeit nicht entgangen, dass die spezifische Paarung, die wir als gegeben voraussetzen, unmittelbar auf einen möglichen  Vervielfältigungsmechanismus für das Erbgut schließen lässt.«

 

Andrea Grote - o.T. (change)

Ausgangspunkt für die Installation von Andrea Grote war ein Aspekt der Ausschreibung für die aquamediale 12, dass »die Kunstwerke das Verhältnis des Menschen zu sich selbst, zu seinem sozialen Umfeld und zur Natur reformieren sollen.« Ihrer persönlichen Erfahrung des respektlosen Umgangs mit der Natur setzt sie ein fragiles »Glashaus« entgegen. Das Begehen dieses künstlich-transparenten Raumes im Naturraum Spreewald wird den Besucher irritieren, weil der Innenraum wider der Natur winterlich kalt ist. Eine Installation mit filigranen Gravuren in sprödem Glas und der körperlichen Erfahrung von Energieverschwendung.

 

Michael Hoedjes - Gates and Windows

Ähnlich wie Andy Goldsworthy fügt Michael Hoedjes in der Natur Gefundenes in seiner ursprünglichen Umgebung zu neuen Formen und Erkenntnissen.
Für die aquamediale 12 schichtet er abgestorbenes Holz zu einem Objekt auf. Die entstehende Großplastik ist wie ein »Fenster zur Welt«. Sie erweitert den Horizont im doppelten Sinne – staunend sieht der Betrachter die erkannte Form sich in eine andere verwandeln, abhängig von Fantasie, Sonnenstand, Blickwinkel und Körpergröße. Auf der aquamediale soll es ein Tier werden, welches steht noch offen, aber es trägt den Titel »das Artensterben ist irreversibel«.

 

Leif Karpe - SPREEGOLD

Gold lockt. Schon Charly Chaplin hat den moralischen Verfall einer Gesellschafft in »Goldrausch« kongenial in Szene gesetzt. Leif Karpe inszeniert seine Unterwasserskulptur »Spreegold« in Anlehnung an Richard Wagners »Rheingold«. Das Gold erstrahlt in der Tiefe des Flusses und lässt das Riff glänzen. Die Schönheit des Naturschauspiels in ihrer natürlichen Ordnung verliert seinen unschuldigen Charakter, wenn jemand Besitz und Macht anstrebt und der Liebe abschwört. Hier wirkt der allgegenwärtige Konflikt von Liebe und Macht als magischer Lichtreflex und prüft die Sinne und die Werte des Betrachters.

 

Thomas Kirchner & Wiebke Juschuäleja Wilms - Spektralmembranen

Thomas Kirchner und Wiebke Juschuäleja Wilms arbeiten für die aquamediale gemeinsam an ihrer Installation »Spektralmembranen«. Innerhalb der Natur entsteht ein fünfseitiger Raum, der sich nach außen hin weiß absetzt. Betritt der Besucher durch die offene Seite den Raum, so empfängt ihn ein farbenfrohes Leben aus Papier-Collagen. Die Collagen zeigen Fragmente verschiedener Lebensstadien und provoziert zum Entdecken und Vergleichen mit Stationen des eigenen Lebens.

 

Gregor Krampitz - von der natur
lernen

Der Titel seiner Arbeit provoziert bewusst das täglich Verdrängte: »Von der Natur lernen«. Das Objekt selbst irritiert – ein überdimensionierter Löffel in der Spree – und stellt die Frage der Verhältnismäßigkeit. In diesem Wort stecken Verhalten und Mäßigkeit, zwei Begriffe, die schon Luther vor 500 Jahren umtrieben.
Ein Arbeitsgerät aus Stahl frisst sich, von Menschenhand geführt, täglich in die begrenzten Ressourcen der Natur.
Die Symbolik des Löffels ist von Gregor Krampitz vielschichtig gewählt. Die Alten müssen, so ist der Lauf der Dinge, ihren »Löffel abgeben« und die Jungen sprechen die »Löffelsprache«.

 

Susanne Roewer - precious

Die Installation von Susanne Roewer trägt den Titel »precious«. »Wertvoll« bezieht sich weniger auf den materiellen Wert ihrer Metallskulptur, sondern viel mehr auf das Thema »Glaube«. Ein Basketballkorb als Dornenkrone ist auf eine Wurfplatte mit Davidstern als Markierung montiert.
Diese Symbiose unterschiedlicher Symbole knistert vor Eindeutigkeit, auch oder gerade, weil sie in der Form eines der fairsten Spiele kommt. Abendland und Morgenland, Christentum und Judentum und Islam mit der Betonung auf »und« sind aufgerufen, den alten Konflikt des Glaubens gemeinsam zu lösen. Eine intelligente Erweiterung der Ringparabel mit einer zeitgemäßen Metapher.

 

Yvonne Rooding - Cross circles

Der Titel der sehr feinen Arbeit von  Yvonne Rooding ist »Cross circles«. Ringe, die so flach auf dem Wasser liegen, dass die Textur des Wassers in eine neue Form fließt. Sie scheint das Ergebnis einer Berührung, einer Bewegung des Wassers zu sein. Eine Liebkosung der Haut, ein Ausdruck von Zuneigung und Liebe.
Die Kreise verdichten sich zu einem Kreuz, dem Symbol des Glaubens. Nicht aufrecht zitierend, sondern liegend meditierend.
Nicht inmitten eines lauten stätischen Zentrums, sondern abseits, in einer stillen Bucht, in der Landschaft der Spree, wo man selbst noch zu einem Teil der Natur wird. Und die Installation ist verankert mit einem Symbol: Der Hoffnung!

 

Lothar Seruset - GLAUBE LIEBE HOFFNUNG

Auf dem Marktplatz vor den Toren der Paul-Gerhardt-Kirche arbeitet ein Mann an einem Stamm. Schon Wochen vor der Eröffnung der aquamediale 12 und in aller Öffentlichkeit nimmt die Plastik von Lothar Seruset Gestalt an. Eine Säule aus Holz trägt einen Menschen, der auf dem Kopf steht und einen Fisch in den Armen hält. Die kopfstehende Betrachtung dieses Menschen ermuntert den Betrachter zu einem anderen Blick auf die Dinge. Anders sehen bedeutet anders denken. Die neu gewonnene Perspektive in die Zukunft erfrischt nicht nur, sie kann auch heiter sein. Trägt hier der Fisch den Menschen? Das christliche Symbol des Lebens und der Fruchtbarkeit im oberen Teil aber wird konfrontiert mit Geld, Macht und Krieg im unteren Teil des Stammes: Seruset provoziert: Woran glaubst Du, wen liebst Du, was hoffst Du?

 

Mark Swysen - transformation of the Wall Street paradigma

Der Titel seiner Installation kommt andächtig daher: »Kapelle in stiller Verehrung der Natur«. Konkret ist die Kapelle ein Glashaus mit auf der einen Seite abgehängten Spiegeln und Scherben, die das umgebende Grün vielfach reflektieren und multiplizieren. Von der anderen Seite hängen auf den Kopf gestellte Flaschen, welche ihrer ursprünglichen Funktion – des Auffangens von Wasser – beraubt, nun die Rolle der Orgel einnehmen und mit dem Wind natürliche Klangbilder erzeugen. Eine kopfstehende Betrachtung für Augen und Ohren in einer Kapelle der Natur.

 

ANDRAGO - Ist Gott ein Fußballer?

»Pentagondodekaeder« oder »Ist Gott  ein Fußballer?« Diese provozierende Fragestellung ist der Titel des Objektes von ANDRAGO. Den Fußball kennen die meisten, das Pentagondodekaeder die wenigsten. Die Symbiose aus beiden Begriffen setzt auf Kontraste: Rund – eckig, robust – fragil, häufig – selten, Kommerz – Kunst. Dass beide Objekte fast die gleiche Form wie die Erde haben, sensibilisiert den Betrachter für einen vorsichtigen Vergleich. Die Installation des von innen her leuchtenden Pentagondodekaeder entsteht symbolisch mit allen fünf Elementen: Holz, Feuer, Metall, Wasser, Erde – als ein Universum erfahrbarer Verletzlichkeit. ANDRAGOS »Planet« bietet Entdeckungen für Klein und Groß und zu jeder Tageszeit. Und nachts für Gott.