Linas Domarackas

Linas Domarackas

Linas Domarackas ist 1967 in Šiauliai in Litauen geboren. Von 1991 bis 1994 studierte er an der Fakultät für Grafik an der Akademie der Schönen Künste in Warschau. Seit 2007 ist er Mitglied des Verbands polnischer Bildender Künstler. Domarackas lebt und arbeitet in Warschau.

Standorte: Kleinen Hafen bis zur Einmündung des Bürgerfließes und entlang desWotschofskaweges in Lübbenau

 

Linas Domarackas bespielt vom Kleinen Hafen bis zur Einmündung des Bürgerfließes in die Spree entlang des Wotschofskaweges in Lübbenau/Spreewald über 30 Wurzelstöcke und Baumwunden. Die überwiegend in kobaltblau und grün gehaltenen malerischen Details führen weitgehend flächig zweidimensionale Schlangen als Hauptmotiv. Die Schlange ist ein äußerst komplexes und universelles Symbol, das weltweit von vielen Völkern seit Urzeiten verwendet wird. „Die Symbolik der Schlange ist polyvalent: sie kann männlich, weiblich oder aus sich selbst entstanden sein. Als ein Tier, das tötet, ist sie Tod und Zerstörung; als eines, das periodisch seine Haut erneuert, ist sie Leben und Auferstehung; eingerollt wird sie mit den Zyklen der Manifestation gleichgesetzt.“ Während der Schlange im christlichen Kulturkreis oder vielmehr in der christlichen Ikonographie das Attribut der Versuchung zugewiesen ist, war die Schlangensymbolik in vorchristlichen Kulturen in Mittel- und Osteuropa überwiegend ambivalent, aber eben auch positiv besetzt.

 

Ineinander verschachtelte Dreiecke bilden bei den einzelnen Werken den Schlangenkörper. Das Dreieck gilt u.a. in Litauen als Symbol für den lebenserneuernden Schoß der Göttin oder allgemeiner formuliert als Fruchtbarkeitssymbol.

 

Zuweilen entdeckt der Besucher sowohl zu Land als auch zu Wasser menschliche Köpfe, die mit den Schlangenmotiven und der Trägersubstanz, dem organischen Untergrund, eine Symbiose zu bilden scheinen. Gleichwohl trifft man entlang des Weges auf menschliche wie auch reptilienartige Augen. Besonders im letzteren Fall fließen die Schlangenaugen mit dem Untergrund förmlich zusammen. Die gemalten Augen wandeln die Äste zu Körpern. Bis in das 19. Jahrhundert wurden im Baltikum Bäume und Menschen als seelenverwandt betrachtet. Noch heute ist man in Litauen bemüht Friedhofsbäume nicht zu fällen, um den Verstorbenen kein Leid anzutun. Domarackas wählt seinen Maluntergrund bewusst aus. Mit der Aufbringung der Grundierung auf das „Wundmal“ als ersten Arbeitsschritt, schließt er, das durch den Menschen verursachte Leid an seinem „Nächsten“, und durch die offensichtliche Konzentration auf die lebenserneuernde Symbolik besänftigt er die Göttin Leima als Spinnerin und Werberin des Lebens und die Erdgöttin Zemyna.

 

Domarackas stellt mit seiner Arbeit „Schlangenkönig“ die Verbindung zwischen seiner Kultur, der Baltischen, und der Sorbisch/Wendischen her. Das Bindeglied bildet die Schlangensymbolik. In beiden Kulturen spielt die Schlange eine bedeutende Rolle.

 

„Bei den Balten gab es einen Weltenbaum, der aus einem überdachten, mit Symbolen der Himmelsgottheiten verzierten Pfahl bestand. Neben Figuren von Hengsten, bewachten Schlangen solche Bäume, die bis ins 20. Jahrhundert u.a. vor Wohnhäusern standen.“ Die Sorben/Wenden hingegen, die sich im 6. Jahrhundert n. Chr. im Spreewald ansiedelten, verehrten die Schlangen oder vielmehr den Schlangenkönig als Schutzgottheit. Bis zum heutigen Tag ziert das Symbol zweier gekrönter und gekreuzter Schlangenkönige viele Häusergiebel im Spreewald.