Martin Schuster

Martin Schuster

Martin Schuster ist 1986 in Potsdam geboren. Er studierte von 2007 bis 2013 an der Burg Giebichenstein in Halle/a.S. bei Prof. Ute Pleuger Malerei. Er lebt und arbeitet in Halle/a.S.



Standort: Jägerbadestelle, Lübben

 

Unverkennbar! Pac Man oder doch Puck Man? Martin Schuster entlehnt seine Arbeit, welche den sinnigen Titel „Wasserspiel“ trägt, dem Videospiel der Popkultur, dass von Midway lizenziert als „Pac-Man“ in den USA 1981 erschien, allerdings von Namco 1980 in Japan unter dem Titel „Puck Man“ veröffentlicht wurde. Doch wer lediglich die Projektion eines Videospiels in die Spreelandschaft vermutet, greift zu kurz. Schuster möchte die unterschiedlichen Benutzeroberflächen des Spreewaldes, entweder organisch gewachsen oder kultiviert, über das Mittel der Provokation, der gedanklichen Verschmelzung der digitalen mit der realen Welt, um eine Wahrnehmungsebene erweitern. Die Voraussetzungen sind gut. Die Menschen der Industrienationen leben ausnahmslos in einer durch die Medien dominierten Gesellschaft. Die rasche Entwicklung und Nutzung der digitalen Medientechnik verändert zunehmend die Kommunikationswege und beeinflusst damit die eigene Wahrnehmung.

 

Allegorisch wird die Erschließung der Spreewaldlandschaft in Schusters Arbeit durch eine der bekanntesten Videospielfiguren versinnbildlicht, die sich ihren Weg durch eine technisch erzeugte Welt bahnt. Sowohl die Fließe als auch digitale Medien können über ihren ökonomischen Zweck hinaus zur Freizeitgestaltung genutzt werden. Es ist ebene jene Medientechnik, die dem gegenwärtigen Menschen erlauben, die Welt in Form von Videos und Fotos zu betrachten, zu speichern oder auf verschiedenen Wegen im Internet zu veröffentlichen. Die öffentlich zugängliche Oberfläche der “realen“ Welt wird durch Google Earth und Google Street View fotografisch kartographiert und dadurch von jeder Internetschnittstelle aus digital erfahrbar. Durch Blogs, Facebook-Profile und Youtube-Videos ist uns seit einigen Jahren eine rasch wachsende Datenmasse von Abbildungen der Realität verfügbar. Optische Eindrücke werden immer seltener selbst erfahren, sondern konzentriert über den Bildschirm vermittelt. Die digitale Welt mutiert zunehmend zur Lebenswirklichkeit. Schuster stellt an den Betrachter seiner Arbeit konkrete Fragen, wie sich unsere Naturwahrnehmung verändert, wenn wir sie mit Kulturprodukten verschmelzen? Besonders an die Nutzer internetfähiger Mobiltelefone richtet sich dazu die Frage, wie sehr digitale Bilder und Informationen die Wahrnehmung der Realität beeinflussen, gerade wenn der ständige Zugriff gewährleistet ist?