Micha Brendel

Micha Brendel
Foto: Ilka Bona

Micha Brendel ist 1959 in Weida/Thürigen geboren. Von 1980 bis 1987 studierte er an der Kunsthochschule Berlin und an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Er lebt und arbeitet in Steinreich im Landkreis Dahme-Spreewald.

Standort: Für die Dauer der Ausstellung „ankert“ das Werk Micha Brendels am Ludwig-Leichhardt-Ufer in Goyatz am Schwielochsee. Den Ankerplatz markiert ein kleines rotes „L“, auf dem eine Texttafel das Projekt für die Besucher beschreibt. Zur Finissage am 8. September 2013 „sticht“ das Werk „in See“.


 

Ludwig Leichhardt markierte die Wege seiner Expedition ins innere Australiens mit einem großen „L“. Er schnitt es in die Bäume. Sie gelten als die wichtigsten Spuren seiner entdeckten Routen. Auf dieses „L“ nimmt Micha Brendel Bezug.
Er setzt ein rotes schwimmendes, dreidimensionales „L“ in den Fokus seines Projekts.

 
Es ist ein großes „L“, bestehend aus mehreren Kunststoffplatten, die miteinander verklebt wurden. Ein kurzer Hinweistext darauf identifiziert das Objekt als Teil der aquamediale® - Weites Land und bittet den Finder, sofern es auf seinem Weg stranden sollte, vom Ufer abzustoßen. Das „L“ Brendels wird getragen vom Wasser und wird bewegt durch die Strömung. Es schwimmt zum Gedenken an einen Forscher, der mit einer Vision in unbekanntes Land aufbrach, um es mit all seinen Begehrlichkeiten in die Ordungssystheme des 19. Jahrhunderts einzugliedern und davon nicht zurückkehrte. Es schwimmt für den sensiblen, träumerischen, asketischen Menschen Ludwig Leichhardt („Ich, der ich mit den Gedanken an die Unendlichkeit die kleine Erde vergessen möchte, wie kann ich einen Punkt dieses Weltenkreis´ mehr achten als einen anderen...“ Paris, 12. August 1840. In: Ludwig Leichhardt Tagebuch).

 
Das schwimmende „L“ verdeutlicht die Bewegung und Kraft des fließenden Wassers, welches in der Region des Spreewaldes in Fülle vorhanden ist und diese spezielle Kulturlandschaft geprägt hat. Es steht für die bewusste Wahrnehmung der Natur und die Verantwortung des Menschen, in ihr respektvoll zu leben und sich als Teil ihrer zu begreifen. Ein schwimmendes, künstliches Objekt, ein treibender, signalroter Buchstabe ist ein Eingriff in die Landschaft, kein aufdringlicher, kein zerstörerischer, eher ein bewusst auffallender in der übergrünen Region.